Am 22.September hat Greenpeace das “Kommunikationskonzept Kernenergie – Strategie, Argumente und Maßnahmen” veröffentlicht.

Da erarbeitet jemand im Schweiße seines Angesichts ein ausgefeiltes 108-seitiges Kommunikationskonzept und bekommt später, nachdem das Konzept versehentlich öffentlich wurde, vom eigenen Hause das Urteil “schlechtes Produkt” verliehen. Das ist schon traurig.

Doch so kann es einem gehen, wenn man für die Atomkraftlobby Strategiepapiere entwirft – und das auch noch aus reinen Akquisezwecken, wie es im nachhinein hieß. Die Unternehmensberatung für Politik- und Krisenmanagement, die das Papier erstellt hat, antwortete im Greenpeace-Blog am 23.09.2009 08:01, dass es sich

[…] um eine von mehreren Ideensammlung aus unserem Hause handelte die zu Akquisezwecken entworfen wurden. Das Produkt war dann aber so schlecht und entsprach nicht den Standards unseres Hauses, dass wir den Akquiseversuch an dieser Stelle abgebrochen haben. Wir haben gemerkt, dass wir nicht die nötige Fachkompetenz in unserem Hause für den Bereich Kernkraft haben.

Hier ein paar interessante Auszüge

Nicht unnötig thematisieren!

die Befürworter in der Wahlkampfphase argumentativ so auszurüsten und zu informieren, dass eine scharfe emotionale Debatte unterbleibt

Ist das nicht nett gesagt: “Nährboden für längere Laufzeiten!”

Glaubwürdig erkennbar zu machen, dass die Betreiber sich ihrer Verantwortung bewusst sind und aktiv in langfristige Akzeptanz investieren, stellt die ersten Schritte auf dem Weg zu mehr Zuspruch, Vertrauen und aufkeimender Legitimität dar — und ist damit der Nährboden für längere Laufzeiten.

Klarer kann man es nicht ausdrücken:

Ziel der politischen Kampagne sollte es sein, “CDU/CSU und FDP mit neuen Argumentationsansätzen” zu versorgen.

Wielange hat es gebraucht bis Asse versagte? Für wielange muß ein Endlagerplatz sicher sein? Hundert Tausende oder sogar mehrere Millionen Jahre?

Für die Bürger ist die Endlager-Debatte überwiegend ein mit Furcht, Skepsis und Ablehnung emotional durchdrungenes Thema. Diejenigen, die an die Sicherheit der Endlager-Standorte glauben, befinden sich in der Minderheit. Die Kernkraftbetreiber selbst meiden das Thema, da technisch überzeugende Lösungen weltweit noch nicht identifiziert werden konnten. Dabei hat sich die Problematik der Endlagerfrage in diesem Jahr weiter verschärft: Das Versagen der Asse-Betreiber hat den schwelenden Ressentiments in der Bevölkerung gegen die Atomkraft frischen Wind zugeführt. Die Bilder von Fässern, die mit tödlichem Inhalt ohne jede Vorsicht im Salzstock versenkt wurden, untergräbt die Glaubwürdigkeit der Vertreter, die wiederholt die Fähigkeit betonen, mit der Problematik der Endlagerung angemessen umgehen zu können. […] In einem von Technologie dominierten Alltag, der in 30 Jahren Forschung keine überzeugende Lösung für das Problem gefunden hat, mehren sich die Zweifel, ob jemals eine Lösung gefunden werden kann.

Der interessierte Leser mit etwas Zeit findet noch einige weitere interessante und amüsante Passagen in dem Papier. Ein Kompliment für die qualitativ hochwertige Arbeit. Nur leider schade, dass dies die Unternehmensberatung selbst nicht so sieht – und dass das Thema schlecht gewählt wurde. Außerdem frage ich mich, wieso die Argumente der “Pro Atomkraft-Parteien”, sich so gut mit dem Inhalt des Papiers decken, obwohl es doch gar keine Verwendung fand.

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